Ein Besuch, der Hoffnung macht (Teil 1 von 3)
Brasilien im Februar/März 2010.
Ein Reisebericht von Helene Götzen.
Wieder ist es soweit. Ich starte aus dem winterlichen Österreich bei minus 10 Grad und komme im feuchtschwülen São Paulo bei plus 36 Grad am nächsten Morgen an. Meine liebe Freundin Annegret holt mich in aller Frühe am Flughafen ab und schon geht es los mit unserem vielfältigen Programm.
Besuch der „Reconciliação”
Als erstes steht der Besuch der „Reconciliação” auf dem Plan – einer Sozialeinrichtung in der Vila San Jose am südlichen Stadtrand von São Paulo. Diese Einrichtung wird auch von unserer Stiftung SORRISO schon viele Jahre unterstützt.
Am Eingangstor begrüßen uns gleich ein paar Jungen mit ihrem schelmischen Lachen. Isabel, die neue Koordinatorin wird mir vorgestellt und führt uns mit Freude durch alle Klassen und Kursräume. Viele fröhliche und fragende Kinderaugen blicken mich an und fragen: „Woher kommst du?” „Aus Europa”, antworte ich und gleich verbinden sie es mit Bergen, Schnee und Kälte. Mit Begeisterung erklären mir die Erzieher ihr Konzept, das die ganzheitliche Bildung der Kinder und Jugendlichen zum Ziel hat.
Einige von ihnen kenne ich schon seit vielen Jahren – Teresinha, Luis, Nana, Marlene, Silvana, Ana – und die Freude war groß, sich wieder zu sehen. Was mir deutlich macht, dass die Besuche sehr wichtig sind. Es geht nicht nur um Spenden, sondern auch um Wertschätzung ihrer Arbeit.
Viele waren vor Jahren noch selbst Schüler in dieser Einrichtung und haben es mit Fleiß und Konsequenz geschafft, die pädagogische Ausbildung an der Universität abzuschließen. Sie stellen sich nun in den Dienst für ihre eigenen Leute und können vieles von der Problematik der Bewohner besser verstehen und dadurch gezielter helfen. Ihre Motivation, ihr Idealismus sind bewundernswert und ein Beispiel für gelungene Entwicklung.
Genau das, was die Menschen brauchen
Die angebotenen Programme orientieren sich ganz an der Realität der Menschen, die in diesem „Bairro” wohnen: Kindertagesstätte ganztags, Unterstützung des Schulprogramms durch Lesen, Rechnen, Schreiben, Gesundheits- und Sexualerziehung, Computerschulungen, psychologische und pädagogische Begleitung bei Problemen in der Familie. Theater, Sport und Spiel runden das Programm der ganzheitlichen Erziehung ab.
Die Familien werden durch regelmäßige Hausbesuche in ihrer Erziehung unterstützt. Für Erwachsene gibt es ebenfalls Programme, die es ihnen ermöglichen, nach Abschluss des Kurses einen Beruf auszuüben, womit sie ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren können.
Heute haben gerade zwei junge Leute nach zweijähriger Ausbildung zum Frisör ihr Diplom bekommen und beide haben eine Anstellung in einem Frisiersalon im Stadtflughafen. Computer-, Koch- und Backkurse erfreuen sich auch großer Beliebtheit, weil man sich damit selbst schnell etwas erarbeiten kann. Teresinha leitet diesen Kurs heute noch. Sie und ihr Mann Anesio waren vor 14 Jahren meine ersten Kontaktpersonen. Seither ist aus der Bretterbude ein Ziegelbau geworden, ist das Bewusstsein für Schulbildung, Erziehung und Gesundheit stetig gewachsen und haben sich viele gelungene Beispiele von Hilfe zur Selbsthilfe entwickelt. Die Menschen erfahren Wertschätzung, Orientierung und stärken damit ihr Selbstbewusstsein.
Treffen mit dem Vorstand der „Reconciliação”
Heute treffe ich mich mit Beatrice und Ulrich Schwair. Beide sind Mitglieder des Vorstands der Reconciliação. Der Vorstand hat die Aufgabe, monatliche Versammlungen mit den Verantwortlichen der einzelnen Sachbereiche (Erziehung, Gesundheit, Weiterbildung, Familie, Kindertagesstätte) abzuhalten. Das gibt die Sicherheit, dass die besprochenen Punkte umgesetzt und die Programme ordentlich durchgeführt werden.
Eines der wichtigsten Anliegen in diesem Jahr wird die Weiterbildung der Erzieher sein. Dazu werden die Gelder der Stiftung SORRISO verwendet.
„Unsere Qualität muss laufend verbessert werden”, so Beatrice, „wir haben schon viel erreicht. Brasilien ist ein Land der Zukunft.” Alle acht Mitglieder vom Vorstand arbeiten ehrenamtlich und haben gute Verbindungen nach Europa.
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